Merkpunkte Globales Lernen

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Erfahrungen und Empfehlungen für Globales Lernen im Kiez

 

 

aktuelle Anti-Bias-Trainings

Macht * Diskriminierung * Vorurteile?

26.-28.9.14:  Anti-Bias-Vernetzungswochenende in WeimarTeilnahmegebühr ist 195,00 Euro bzw. 155,00 Euro ermäßigt und  beinhaltet Unterkunft, VV und Seminar. Anmeldung bei rebitschek@ejbweimar.de, Flyer

 

Anti-Bias-Training in Berlin. Das Anti-Bias-Netz bietet ab Sept. 14 wieder ein dreimoduliges Training an. Termine sind Fr-So 5.-7.9.14 und Fr-So 10.-12.10.14 von Fr 17 bis So 13 Uhr und Fr-Sa 14.-15.11.14 von 10 bis 17 Uhr  AB Flyer14   Infos hier

Anti-Bias-Training 2015 in Weimar:

erster Durchgang 2015: 23.-25.1.15, 27.2.-1.3.15 und 17.-19.4.15.
zweiter Durchgang 2015: 4.-6.9.15, 9.-11.10.15, 4.-6.12.15.
Die Fortbildung findet in der EJBW in Weimar unter Leitung von Zaklina Mamutovic und Annette Kübler statt. Anmeldungen bei der EJBW,  <rebitschek@ejbweimar.de>  mehr Infos hier

Übung beim Anti Bias Training April 2012

Zentrale Elemente der Kurse sind:

einander begegnen
und ins Gespräch kommen: Wie erlebe oder erlebte ich Diskriminierung? Welche Gefühle sind damit verbunden? Welche persönlichen Strategien habe ich im Umgang mit Diskriminierung entwickelt? Das Training macht in der Gruppe auch emotional begreifbar, wie Diskriminierung funktioniert – aus der Position als Diskriminierte wie auch als Diskriminierende.

Wahrnehmung für Schieflagen schärfen 
gerade weil vieles „normal“ und unumgänglich erscheint, ist es notwendig den Blick für eigene Privilegien zu schärfen. Dabei werden wir uns vertiefend mit strukturellen Ungleich­heiten, der Verbindung von persönlicher und struktureller Unterdrückung und der Vielfalt von Diskriminierungsformen auseinandersetzen.

mit Veränderung beginnen
bedeutet ungerechte Strukturen zu benennen und uns gegen diskriminierende Verhaltensweisen zu wehren. Wo kann ich mich einmischen und Veränderun­gen bewirken? Wo können wir in unseren Einflussbereichen mehr Verantwortung über­nehmen und unsere Macht nutzen? Wie können wir gemeinsam Bündnisse initiieren?

die eigene Praxis reflektieren
Reflexion der Rahmenbedingungen unserer Arbeit: Was bedeutet der Anti-Bias- Ansatz für unseren Blick auf strukturelle Zusammenhänge? In welche Richtung möchten wir etwas verändern? Welche Erfolge, welche Herausforderungen und Stolpersteine habe ich in meiner Arbeit?

mehr als “gut gemeint”

von der Schwierigkeit, Rassismus nicht zu reproduzieren.

link zum offenen Brief 

in diesem Brief trugen Eltern Schwarzer Kinder am Beispiel der Veröffentlichungen der Afro-Deutschen Spielgruppe Berlin Beispiele zusammen, wie Rassismus reproduziert wird.

Gut gemeint muss nicht gut sein.

Doch “gut gemeint” beinhaltet eine Chance. Wer es gut meint ist vielleicht bereit die eigene Position zu überdenken und neue Perspektiven zu hören, Kritik zu zu lassen  -  damit in Zukunft häufiger auch etwas Gutes rauskommt. Ja, wir alle brauchen doch kritisches feed back um weiter lernen zu können.

Im Januar 2013 haben sich einige Empörte über das Auftreten und die Darstellungen der Afro-deutschen Spielgruppe und des Portals zu einer Gruppe auf Facebook zusammengeschlossen, um ihre Gedanken und Kritik zu bündeln und dann in Form eines Briefes der verantwortlichen Leitung zu übermitteln. Es sollte hörbar und sichtbar werden, dass nicht alle Mütter und Väter Schwarzer Kinder einverstanden sind.

Damit das Unterschreiben und der Meinungsbildungsprozess weiter gehen kann wurde dieser blog http://offenerbriefafroguide.wordpress.com ins Internet gestellt.

Ich hoffe, dass der Brief dazu beiträgt, dass gerade auch weiße Eltern Schwarzer Kinder innehalten und sich darauf einlassen, immer wieder zu reflektieren, in wie weit sie Rassismus und stereotype Bilder über Schwarze Menschen und den Kontinent Afrika reproduzieren. Ich habe selbst viele Fragen und nicht immer Antworten parat. Doch etliche Antworten, die von afroguide präsentiert werden, finde ich  falsch und kontraproduktiv.

Die afroguide-Redaktion muss aufgefordert werden, die kritisierten Darstellungen von der Website zu entfernen und ihre Positionen von Grund auf kritisch zu überarbeiten. Dazu ist es dringend nötig, sich der redaktionellen Verantwortung und Multiplikationswirkung als Bildungsportalbetreiber bewusst zu werden.

Kaffeeparcours 1.5.14

am 1. Mai 2014 auf dem Mariannenplatz!

für Kinder, Jugendliche und Familien bieten wir wieder den Kaffeeparcours an: ein interaktives Spiel über weltweite Beziehungen am Beispiel Kaffee. Spielerisch wird gepflückt, geschleppt, gehandelt, geröstet und gemahlen. Dabei begegnen wir Geschichten von Menschen, die von Anbau, Transport und Vermarktung des Kaffees leben. Neue Perspektiven werden möglich, zum Beispiel: Auswirkungen von niedrigen Preisen auf Menschen, die Kaffee anbauen. Und immer wieder versuchen Kinder, für eine etwas gerechtere Bezahlung zu sorgen.

Was sind hier Kaffeebohnen?

Und welches sind die Kaffeebohnen?

mehr dazu

Rassismus in Wörtern

Wie Rassismus aus Wörtern spricht. (K)Erben des Kolonialismus im Wissensarchiv deutsche Sprache. Ein kritisches Nachschlagewerk.
Das 2011 erschiende Buch fasst die aktuellen wissenschaftliche Forschung auch für Laien gut lesbar zusammen. Das Buch hilft zu verstehen, was die Brand-Sätze von Bundeskanzlerin Merkel (Multikulti ist gescheitert), Innenminister Friedrich (der Islam gehört nicht zu Deutschland) und Herrn Sarrazin mit dem schokierenden Anschlag in Norwegen zu tun haben. Unterschiedliche Texte ermöglichen ein umfassenderes Verständnis von Rassismus.

Rassimus? Ja, meistens ist Rassismus gar nicht böse gemeint, und auch nicht absichtlich. Gerade das gut gemeinte – das “kennen lernen wollen” – das “neugierig sein” auf “fremde” Lebenswelten – auch das sind gelernte Muster, die verletzen: Menschen, die als “anders” markiert sind haben gelernt, auf die Frage “wo kommst du her” nicht zu sagen “vom Bäcker”. Schon Kinder lernen mit der immer wieder gestellten Frage, dass sie eben nicht „hierher“ gehören.
Vor allem aber ist Rassimus eine gesellschaftliche Struktur – historisch gewachsen seit dem Kolonialismus – und wir sind durch unseren Alltag darin verstrickt. Wir haben die Zuschreibungen für „Weiße“ und „andere“ ganz nebenbei in unserer Sozialisation gelernt. Und Weiße profitieren. Als weiße Person profitiere ich von rassistischen Privilegien auch ohne aktiv etwas zu tun – z.B: wenn ich eine Wohnung suche profitiere ich davon, dass people of color bei sehr vielen Vermietern keine Chance haben.

Warum ist es so schwer Rassismusreproduktion zu verändern? Ein Beispiel. Beim Lesen von Obamas Buch „eine amerikanische Familie“ ärgerte ich mich über die Verwendung abwertender Wörter wie „Mischling“ und „Farbiger“, sogar das N-Wort. (erste Hilfe für Begriffe: hier).  Ich habe beim Hanser Verlag nachgefragt: „Wer hat über die Verwendung der Bezeichnungen entschieden ? Warum haben Sie sich dafür entschieden?“ Die Antwort war leider typisch:

Sehr geehrte Frau Kübler,
dass unser Verlag nicht in einem wie von Ihnen unterstellten Ruf steht, ist gemeinhin bekannt. Ihre böswilligen Verdächtigungen weise ich hiermit scharf zurück.
Mit freundlichen Grüßen
Martha Bunk, Carl Hanser Verlag GmbH & Co. KG

Schade. Der Carl Hanser Verlag folgt einem Muster, das wir in unserer Arbeit zur Sensilbilisierung für Alltagsrassismus oft antreffen: Ich finde Rassismus nicht gut, also kann ich gar nichts damit zu tun haben. Was ich nicht sehe, das gibt es nicht. Eine sachliche Frage wird als Verdächtigung interpretiert, die Chance dazu zu lernen wird nicht genutzt, die eigene Macht als Verlag nicht gesehen – und Rassismus wird weiter reproduziert. Zu oft gilt die Formel: Rassismus = Hitler, Nazis und Neonazis = ergo wir haben damit nichts zu tun.

Im Buch von Susan Arndt und Nadja Ofuatey-Alazard (Hg.) Wie Rassismus aus Wörtern spricht, (K)Erben des Kolonialismus im Wissensarchiv deutsche Sprache. Ein kritisches Nachschlagewerk werden wissenschaftliche Texte erfolgreich ergänzt mit Texten von Sprachkünstern wir Noah Sow oder Philipp Khabo Köpsell.:   „Cookie. Engl.: Keks. Bezeichnet in der Schwarzen nordamerikanischen Antirassismusarbeit die Erwartungshaltung weißer Menschen, dafür belohnt zu werden, wenn sie sich gegen Rassismus aussprechen, oder gar eine Anstrengung auf sich nehmen, die Rassismus bekämpft oder aufklärt. (….) Nicht falsch verstehen (sei doch nicht so empfindlich): Es ist okay, was du machst. Du bekommst einfach nur keinen Keks dafür. Noah Sow“. (S. 583)

Annette Kübler, im Martin Niemöller Haus Info, Juni 2011

Integration

1950.  Momentaufnahme einer Krise in einer weißen Parallelgesellschaft, USA 1950

Eine schwarze Familie ist in die Siedlung gezogen. Panik, Gerüchte und Gewalt drohen den Frieden zu zerstören. Manche stellen sich der Aufgabe, ihre weiße Gruppe darauf vorzubereiten, dass alle Familien das Recht haben, ein besseres Leben für ihre Kinder zu suchen. Jetzt, wo auch manche schwarze Familien sich das ökonomisch leisten können.

Aus der historischen Distanz wird sichtbar, wie Weiße Privilegien abgesichert werden, mit wie viel Vehemenz, weiße Überlegenheitsgefühle verteidigt werden (wäre ja furchtbar, wenn Schwarze das könnten, was ich kann). Der Wunsch nach einer guten Schule für die eigenen Kinder steht gegen die enorme Angst weißer Eltern: und wenn die zusammen in die Schule gehen, dann freunden die sich vielleicht an und vielleicht gäbe es sogar mixed marriages.  Es könnte sein, unsere Kinder würden demokratische Werte entwickeln?

Seit dieser Studie in den 50ger Jahren in den USA scheint sich wenig geändert zu haben. An ihr deutlich, dass Integration – auch haute für uns – zuallererst  eine Aufgabe für Weiße Parallelgesellschaften ist.

zum Film

Heimatkunde

“Es war ein Kampf um klar zu machen, dass ich ein Mensch bin.”

Eric Friedler erzähltim Film “Ein deutscher Boxer” die Geschichte eines außergewöhnlichen Menschen. Charles Graf ist in Mannheim geboren, wächst in “der Barackensiedlung” auf, wird sehr jung ein berühmter Boxer, später kommt er in den Knast. Eine Freundschaft mit Peter-Jürgen Book verändert sein Leben.

Infos zum Film

Beim Ansehen wurde mir mal wieder klar,  wie leicht es ist in einer weissen Mittelschichtsnormalität groß zu werden und nicht mit zu bekommen, welche anderen Realitäten es gibt. Und welche Auswirkungen es für Menschen hat, die als “nicht normal” gestempelt werden.

NDR: Sozialarbeiter Charly Graf in einer Talkshow

Und noch ein beeindruckender Film zu Lebensgeschichten von Kinder von schwarzen US Soldaten die nach 1945 geboren wurden, vom Druck auf die weissen Mütter, vom Zwang zur Adoption in die USA, von deren Suche nach ihren Familien. Ein Blick in eine nahe Vergangenheit.

Brown Babies – Germanies lost children (auf deutsch)
Brown Babies Père GI, mere allemande (ARTE Frankreich, dreisprachig)

das ist alles nicht lange her…

 

Grada Kilomba

Vom Umgang mit Rassismus in Europa

Die Psychonanalytikerin Grada Kilomba beschreibt das Phänomen des Rassismus in Europa mit den allgegenwärtigen Klischees-Bildern von Schwarzen Menschen. Sie stellt Strategien vor, welche Wege Weiße und Schwarze Menschen gehen können, um etwas zu verändern.

Interview mit Grada Kilomba

Fragen für Weiße:
Wie kann ich meinen eigenen Rassismus dekonstruieren? Was bedeutet es für mich Weiss zu sein? Erkenne ich die Privilegien, die damit verbunden sind? Wie gehe ich mit meiner Geschichte um, zu der Kolonialismus und Brutalität gehören?
Sie beschreibt den Prozess, durch den Weiße Menschen gehen: die Abwehr (ich bin doch nicht weiß), die Schuldgefühle, die Scham, schließlich die Anerkennung: ja, ich bin weiß, ich habe diese Position in gesellschaftlichen Machtverhältnissen. Auf dieser Grundlage können Weiße aktiv mit Rassismus umgehen und Beiträge leisten zur Wiedergutmachung.

wer noch mehr hören möchte: hier die Mitschnitte der wdk über facing black people

Investitionsstrategien

Alle Kinder sollten eine möglichst gute Ausbildung bekommen, sowieso als Gründen der sozialen Gerechtigkeit, doch auch aus demografischen Gründen: bald werden mehr Arbeitskräfte gebraucht, als hier leben.

Ulrike Herrmann beschreibt im Artikel warum es rational wäre “die verfügbaren Kräfte möglichst gut auszubilden. Aber nein, noch immer werden vor allem die Migrantenkinder nach unten durchgereicht. Erst kürzlich hat ein bundesweiter “Chancenspiegel” ergeben, dass die Aussichten für Kinder aus besseren Schichten, ein Gymnasium zu besuchen, je nach Bundesland zwei- (Berlin) bis siebenmal (Bayern) so hoch sind wie für Kinder aus ärmeren Familien. Mitleidlos sorgen die Babyboomer der Mittelschicht dafür, dass ihre Kinder keine Konkurrenz von unten bekommen.”

Artikel von Ulrike Herrmann in der taz vom 23.3.2012

“Die Babyboomer verfolgen die falsche Anlagestrategie. Sie erwerben am liebsten Immobilien – dabei müssten sie in die Ausbildung der heute benachteiligten Kinder investieren. Denn nur diese Arbeitskräfte von morgen können jenen Reichtum erwirtschaften, den sich jetzt schon alle sichern wollen.”

 

Was ist 2 plus 3?

Die Sprachwissenschaftlerin Heike Wiese hilft auf die Sprünge, um alltägliche Mechanismen von sprachlicher Ausgrenzung zu verstehen.
Ein Beispiel: Auf Mutter Frage “Was ist 2 plus 3?” wäre eine sinnvolle Antwort: “Mama, kannst du nicht bis 5 zählen?”. Das wäre “normal”.
Kinder aus der Mittelschicht antworten  mit “fünf”, weil sie dies Art von Test-Fragen schon kennen und gelernt haben, stolz darauf zu sein, dass sie es können. Und das bringt entscheidende Vorteile in der Schule: Manche Kinder sind mit “unechten Fragen” der Eltern gut auf die spezielle Kommunikationskultur der der Schule sind vorbereitet – andere nicht.

link auf die Sendung

Erkennen, was für mich “normal” ist, ist schwer. Für mich war dies ein Augenöffner im Bereich sprachliche Kommunikationsformen. Ein Beispiel von vielen, wie manche Kinder privilegiert und andere benachteiligt werden – meist suptil und ohne dass ich es merke. Und natürlich ohne dass ich es will. Ist doch normal.
Das ist doch das Spannende: dass viele Formen der Reproduktion von Diskriminierung so in unserer Alltagskultur “normalisiert” wurden, dass ich Anstöße von außen brauche, um es Stück für Stück  merken zu lernen.

Prof. Heike Wiese eröffnet uns neue Blicke auf Mehrsprachigkeit: Statt das Vorurteil zu bedienen, Kiezdeutsch sei “Kanaksprak”, und Zeichen für mangelnde Integration sagt sie: Kiezdeutsch ist ein neuer faszinierender Dialekt kreativer Jugendlicher.
Heike Wiese, Professorin für Deutsche Sprache der Gegenwart an der Universität Potsdam, rettet diesen Dialekt vor seiner Stigmatisierung.

Manuskript der Sendung